(p.174) um nicht zu erfrieren, eng zusammen. Unerlässlich ist, dass der züchtende Mensch Zusatznahrung gibt, meist 5 kg Zucker für ein Bienenvolk in der kalten Jahrszeit. Schon Anfang Februar beginnt die Königin wieder mit der Eiablage; im Mai sind Weiselbecher gebaut, Zellen für junge Königinnen, und nun naht die hohe Zeit des Schwärmens. Plötzlich verlässt ein großer Teil des Volks den Stock, zusammen mit der alten Königin. Noch dicht bei der Heimat, an einem Zaun, in einem Baumwipfel, sammelt sich die Schwarmtraube. Spurbienen suchen nach passender Unterkunft, und jetzt greift der Imker zu, setzt das geklumpte Volk in einen Bienenkorb: der neue Staat ist gegründet. Nutzen bringen uns die Bienen durch Honig- und Wachserzeugung, auch durch ihr Gift, das schon den Rheumatismus der alten Ägypter heilte, in unserer Zeit gegen mancherlei Erkrankungen erfolgreich eingesetzt wird. Aber unvergleichlich viel wertvoller als dies alles ist für uns die ‘Nebenarbeit’ der Bienen, die Blütenbestäubung. Man übertreibt nicht mit der Behauptung, dass es nach einem bienenlosen Jahrhundert keine Obst- und Beerenfrüchte mehr geben würde auf unserer Welt, nur wenig Laubbaum-Arten und keinerlei Wiesenblumen. So seltsam es sich anhört: die Biene ist eines unserer allerwichtigsten Haustiere. Im Hinblick auf sie sind die wetterlich so schlechten Sommer der jüngsten Vergangenheit besonders schlimm, und einsichtsvolle Menschen sorgen sich nicht weniger wegen der chemischen Schädlingsbekämpfung, die auch Bienen scharenweise tötet. Wir brauchen wirklich ein Gesetz zum Schutz der Immen! Etwas ganz anders. Der Universitätsprofessor Adolf Portmann schreibt: »Was wie en Romanzitat klingt, müssen wir so gut wie wörtlich als Wahrheit nehmen, nämlich diesen Satz: ‘Eine Sammlerbiene bringt erregt die Meldung in den Stock, dass sich heute auf etwa 800 m Distanz eine besonders reiche Ausbaute an Salbeiblüten befindet’.« Damit sind wir bei den Verständigungstänzen der Bienen angelangt, bei ihrer ‘Sprache’. Es wäre vermessen von mir, davon zu bereichten. Der Münchner Ordinarius für Zoologie, Karl von Frisch, hat dieses ‘Wunder’ durch jahrzehntelang Forschungen ergründet und in seinen Büchern, auch durch Lichtbild und Film, beweiskräftig veröffentlicht.
*pic 183 Der Holzrahmen eines modernen Bienenkastens aus Holz; wir sehen die gewöhnlichen Zellen und einige viel größere, die Weiselbecher, in denen sich Königinnen entwickeln
*pic184 Oben können wir ins Innere des ursprünglichen, aus starkem Stroh geflochtenen Stülpkorbs blicken. Auf dem unteren Bild dreht ihn eben der Imker um; er trägt am Kopf eine Schutzkappe und ‘Dathe-Pfeife’. Seine nackten Hände werden kaum je gestochen; er vermeidet schnelle Bewegungen im Umgang mit Bienen!