(p24)Die Hundefreunde sind meist recht unnachgiebige Spezialisten – aus Liebe; ich weiß es durch viele Gespräche mit Hundehaltern während der Zeit meiner Vortragsreisen. Da kann man noch so behutsam abwegen, objektiv gerecht die Gutmütigkeit des Boxers rühmen, den Adel der Dogge, den Schneid eines naturhaft gebliebenen Schottenterriers, die Klugheit der fast unheimlich einsichtsvoll handelnden Blinden-Führhunde; am Schloß kommt Herr X und sagt: »Schön und gut. Aber Sie müßten erst mal meinen Dackel kennenlernen!! « (Es kann ebenso ein Spitz oder Airedale sein.) Ich sage das nicht anklagend; mir gefällt diese Treue des Herrn zu seinem persönlichen Hund. Aber ich habe nun fast eine Scheu, allgemein über Hunde zu schreiben. Meine lieben Leserfreunde! Man sagt, es soll annähernd 200 verschiedene Hunderassen geben, und neue werden zweifellos hinzukommen. Wollte ich von jeder auch nur ein Bild zeigen, textlich jede wenigstens grundsätzlich genau beschreiben in Charakter und Wertung, dann würde aus diesem Haustierbuch eine wiederun spezialisierte, dennoch nicht erschöpfende Abhandlung über den Hund. Wo blieben da die Kühe, der Laubfrosch, das Meerschweinchen, unsere Sittiche, Schaf, Pferd und Honigbiene, vor allem die schnurrende Katze, die Sie, der Hundfreund, doch hoffentlich nicht hassen? Wir müssen uns entgegenkommen, und wir sollten auch opferbereit sein, jeder an seinem Platz. Ich habe mich bemüht, einigermaßen die Vielfalt der Hunderassen im Foto sichtbar zu
(p.25)machen, und ich will möglichst bunt erzählen von großen und kleinen, alltäglichen und seltenen Hundeformen. Wenn trotzdem gerade Ihr ‘Liebling’ nicht dabei sein sollte, verzeihen Sie mir! Vielleicht finden Sie plötzlich auch an einem anderen Hund Gefallen. Ich will Ihnen mit gutem Beispiel vorangehen. Auch ich mache nämlich leider Rang- Unterschiede in meiner Hundebegeisterung. Neben den Doggen und Boxern liebe ich besonders die Schnauzer, nicht den Riesen- (Größen-Rekord aufgerichtet 180 cm, Gewicht 55 kg!) oder den modernen Zwergschnauzer, sondern den altmodischen Salz- und Pfefferschnauzer der schwädischen Bauernhöfe. Bewußt fehlt gerade von ihm ein Bild in diesem Buch; ich verzichte darauf zugunsten der Lieblingsrassen meiner Leser, von denen dadurch vielleicht einer mehr auf seine Geschmacks-Rechnung kommt. Wandern wir also frohgemut voran! Ich kann Ihnen allerdings nicht versprechen, daß immer neben jedem Bild einer Hunderasse auch die passende Geschichte steht. Foto und Text ‘marschieren’ getrennt, erweitern so die Gesamtaussage. Mein Motto für dieses Kapitel soll der uralte persische Weisheitsspruch sei: »Durch den Verstand des Hundes besteht die Welt. « Da wir jetzt vom Hundeverstand reden, nicken uns bejahend die Tierbilder zu, von denen diese beiden Druckseiten eingerahmt werden. ‘Närrische Pudel’? Nein, klug seid Ihr und wohlerzogen dazu!
*pic021/022 Rechts steht er, der vielgerühmte, kluge Puli aus der Pußta. Und links beobachtet uns schon durchaus kritisch ein ganz junger Kuvasz.