(p.172) Jeder Honigbienen-Staat besteht aus einer großen Familie von 40-70 000 Mitgliedern, die ‘eingedeckelten’ Kinder nicht gerechnet. Mittelpunkt und Zukunftsgarantie ist dei Königin, das einzig fruchtbare Weibchen im Stock. Diese Königen lebt 4-5 Jahre und kann in dieser Zeit 1,5 Millionen Eier legen, bei günstigem Frühlingswetter täglich 1500. Das ergibt im Durchschnitt auf jede Minute 1 Ei! Während des Winters erfolgt natürlich keine Eiablage; aber schon im frühen Frühling geht die Königin, begleitet von ihrem Hofstaat, unermüdlich und geradezu würdevoll von Brutzelle zu Brutzelle, untersucht sie genau ‘bestiftet’ sie dann, setzt jeweils ein Ei ab. Aus den Eiern können sich 3 verschiedene Bienenformen entwickeln, je nach der Fütterung durch ihre ‘Ammen’: männliche (die Drohnen), fortpflanzungsunfähige Weibchen (die Arbeiterinnen) und vereinzelt auch Königinnen, die einst die Stammesmutter ablösen oder von den Imkern anderswo verwendet werden. Nur einer Drohne ist die Möglichkeit gegeben, Positives zu leisten, nämlich die junge Königin zu befruchten. Alle anderen leben ihrem Namen gemäß: sie faulenzen, naschen
(p.173) an den Pollen- und Honigvorräten ,machen Spazierflüge und lassen sich von ihren Schwestern füttern und pflegen. Aber mitten im Sommer vertreiben die Arbeiterinnen sie aus dem Stock, zwicken, beißen und stechen die unnützen Drohnen; ihr Ende ist Heimatlosigkeit und Hungertod. Das ebenfalls kurze Leben der Arbeitsbienen dauert 4-5 Wochen, ist jedoch mit vielerlei, zeitlich genau abgegrenzten Aufgaben innerhalb und außerhalb der ‘häuslichen Gemeinschaft’ erfüllt. Die ganz jungen Arbeiterinnen reinigen die Zellen, bereiten diese vor für die Eiablage der Königin. Bald werden sie zu ‘Ammen’, füttern die neu schlüpfenden ‘Maden’ mit einem Saft aus ihrer Kopfdrüse, versorgen die etwas älteren mit gehirtetem Blütenstaub und Honig, machen auch schon die ersten Orientierungsflüge. Später, etwa von der Mitte der 2. bis zum Ende der 3. Lebenswoche, werden sie zu Baumeistern, arbeiten mit dem Wachs, bereiten Honig, übernehmen den Nektar, den die Flugbienen eintragen, kneten den Blütenstaub der Pollensammlerrinnen, obliegen weiter dem Zellen-Reinigungsdienst. Nicht genug: sie sind jetzt auch Polizisten, stehen Wache am Einflugloch, kontrollieren die zurückkehrenden Schwestern und stecken mit ihrem Giftstachel auf alles Verdächtige: Fremdbienen, Wespen, Mäuse und – Menschen. Fürwahr, ein gewaltiger Pflichtenkreis; der Ausdruck ‘Bienenfleiß’ ist richtig! Aber nun kommt erst noch der dritte, der letzte Lebensabschnitt: Ausfliegen auf Tracht, die Sammeltätigkeit in Wiese und Wald. Wenn man bedankt, dass eine Flugbiene 1000-1500 Einzel-Kleeblüten besuchen muss, um ihren winzigen Magen mit Nektar zu füllen, dass trotzdem ein gesundes Bienenvolk zu günstigster Blütezeit am Tag mehr als 1 kg Honig im Stock aufspeichert, begreift man den frühen Abnützungstod der Arbeitsbienen, etwa an ihrem 35sten Lebenstag. Aber durch die Fruchtbarkeit der Königin reifen immerzu neue Generationen heran. Während des Winters ruht alle Tätigkeit im Bienenstock. Die Immenscharen sich,
*pic 179 Es saugt eine Arbeitsbiene Nektar aus der Blüte.
*pic 180 Unten links ist ein althergebrachter ‘Bienenzaum’ mit Stülpkörben aus Stroh mitten in der Lüneburger Heide, rechts ein moderner mit farbigen Holzkästen, dicht am obstbaum-umstandenen Bauernhaus.
*pic 181/182 Der Holzrahmen eines modernen Bienenkastens aus Holz; wir sehen die gewöhnlichen Zellen und einige viel größere, die Weiselbecher, in denen sich Königinnen entwickeln