(p.13)Immer aber Gerechtigkeitssinn! Wir jammern z.B.über die Unart
(p,14)unseres Hundes, der hinter allem herjagt, was sich bewegt. Das ist jedoch keine subjektiv Schlechtigkeit, sondern ein Erbgut, die Auswirkung der Ur-Eigenschaft seiner wilden Vorfahren, die jagen und hetzen mußten, um nicht zu verhungern. Allein auf der Menschenseite liegt Schuld: wir haben es versämmt, bereits dem Welpen Appell beizubringen. Was wir einem Jungtier an sogenannten Unarten durchgehen lassen, rächt sich fürs ganze Leben, denn bekanntlich ist das Abgewöhnen viel schwieriger als die rechte Erziehung zu Beginn. Tiere wissen genau, was sie sich an grundsätzlich verbotenen Freiheiten herausnehmen können; Professor Hediger sagt ganz richtig, das Haustier sei oft ein viel besserer Beobachter als sein Herr. Deshalb empfinden sie auch doppelt hart jede Ungerechtigkeit. Leider begeht selbst der tierfreundliche Mensch viele Ungerechtigkeiten gegenüber den Tieren, handelnd und in der moralischen Wertung, vor allem in der Vermenschlichung. »Wenn eine Katze mit der gefangenen
(p.17) Maus spielt oder einem Vogel nachstellt, dann hat das weder mit Sadismus noch mit Raubgier zu tun. Die Katze handelt gemäß ihrem angeborenen Wesen und tut genau dasselbe wie wenn eine Amsel einen Regenwurm aus seiner Röhre zerrt oder die ‘lieben’ Schwälbchen täglich Tausende von Insekten verschlingen«, so schreibt Professor Seiferle, ein Wissenschaftler und Tierfreund, der uns noch öfters zu gerechnter Klarheit verhelfen wird. Vielleicht die wesentliches Pflicht des Tierhalters liegt in der Selbsterziehung. Unterlassen wir es künftig, jede Schlechtigkeit des Menschen mit ‘tierisch’ oder ’bestialisch’ zu bezeichnen. ‘Viehisch betrunken’ ist doch ein Widerspruch in sich! Mich machen sehr häufig die Tiere ehrfürchtig, besonders wenn ich sehe, wie ein Tier den Tod erwartet und sich ihm beugt. Aber bleiben wir beim lebendigen Geschöpf und machen wir uns die Erkenntnis zu eigen, daß unser Verantwortung zur Tierhaltung schon einsetzt, ehe wir ein Tier zu uns heranholen. Wir müssen zuvor überlegen, ob wir den neuen Hausgenossen richtig betreuen können, ob wir bereit sind, nicht allein Annehmlichkeiten von ihm in Empfang zu nehmen, sondern auch die unausbleibchen Belastungen freudig zu ertragen. Ich finde, das ‘Abstoßen’ eines uns lästig gewordenen Heimtiers ist eine schwere Schuld; Treue muß gehalten werden bis zu seinem Ende.
*pic010 Ich schätze mehr den naturhaft schönen Laubfrosch!
*pic011/012 rechts und links: Krähende Gockel. Der linke mit den gesäumten Federn gehört zur silbernen Sebright-Rasse, der rechte aber zu den Leghorn.