In der „Neuen Zeitschrift für Musik“ kam unlängst ein „heb- räischer Kunstgeschmack“ zur Sprache: eine Anfechtung und eine Vertheidigung dieses Ausdruckes konnten und durf- ten nicht ausbleiben. Es dünkt mich nun nicht unwichtig, den hier zu Grunde liegenden, von der Kritik immer nur noch ver- steckt oder im Ausbruche einer gewissen Erregtheit berührten Gegenstand näher zu erörtern.
Hierbei wird es nicht darauf ankommen, etwas Neues zu sagen,sondern die unbewußte Empfindung, die sich im Volke als innerlichste Abneigung gegen jüdisches Wesen kund- giebt, zu erklären,somit etwas wirklich Vorhandenes deutlich auszusprechen, keinesweges aber etwas Unwirkliches durch die Kraft irgendwelcher Einbildu- ng künstlich beleben zu wollen.
Die Kritik verfährt wider ihre Na- tur,wenn sie in Angriff oder Vert- heidigung etwas Anderes will.
Da wir den Grund der volks- thümlichen Abneigung auch unsrer Zeit gegen jüdisches Wesen uns hier lediglich in Be- zug auf die Kunst,und nament- lich die Musik, erklären wollen, haben wir der Erläuterung der- selben Erscheinung auf dem Felde der Religion und Poli- tik gänzlich vorüberzugehen.
In der Religion sind uns die Ju- den längst keine hassenswürdi- gen Feinde mehr,–Dank allen De- nen, welche innerhalb der christ lichen Religion selbst den Volks- haß auf sich gezogen haben !
In der reinen Politik sind wir mit den Juden nie in wirklichen Conflict gerathen; wir gönnten ihnen selbst die Errichtung ei- nes jerusalemischen Reiches, und hatten in dieser Beziehung eher zu bedauern, daß Herr v. Rothschild zu geistreich war, um sich zum König der Juden zu ma- chen, wogegen er bekanntlich es vorzog, ‚der Jude der Könige‘ zu bleiben. Anders verhält es sich da, wo die Politik zur Frage der Gesellschaft wird: hier hat uns die Sonderstellung der Juden seit ebenso lange als Aufforde- rung zu menschlicher Gerechtig- keitsübung gegolten, als in uns selbst der Drang nach socialer Befreiung zu deutlicherem Be- wußtsein erwachte. Als wir für Emancipation der Juden strit- ten, waren wir aber doch eigent- lich mehr Kämpfer für ein abst- ractes Princip, als für den conc- reten Fall:wie all unser Libera- lismus ein nicht sehr hellsehen- des Geistesspiel war,indem wir für die Freiheit des Volkes uns ergingen, ohne Kenntniß dieses Volkes, ja mit Abneigung gegen jede wirkliche Berührung mit ihm, so entsprang auch unser Eifer für die Gleichberechtigung der Juden viel mehr aus der Anregung eines allgemeinen Gedankens, als aus einer realen Sympathie; denn bei allem Reden und Schreiben für Judenemancipation fühlten wir uns bei wirklicher, thätiger Berührung mit Juden von diesen stets unwillkürlich abgestoßen.
Hier treffen wir denn auf den Punkt, der unsrem Vorhaben uns näher bringt:wir haben uns das unwillkürlich Abstoßende, welches die Persönlichkeit und das Wesen der Juden für uns hat, zu erklären, um diese instinctmäßige Abneigung zu rechtfertigen, von welcher wir doch deutlich erkennen,daß sie stärker und überwiegender ist, als unser bewußter Eifer, dieser Abneigung uns zu entledigen.
Noch jetzt belügen wir uns in dieser Beziehung nur absicht- lich, wenn wir es für verpönt und unsittlich halten zu müssen glauben, unsren natürlichen Widerwillen gegen jüdisches Wesen öffentlich kundzugeben.
Erst in neuester Zeit scheinen wir zu der Einsicht zu gelangen, daß es vernünftiger sei,von dem Zwange jener Selbsttäuschung uns frei zu machen, um dafür ganz nüchtern den Gegenstand unsrer gewaltsamen Sympathie zu betrachten,und unsren,trotz al- ler liberalen Vorspiegelungen be- stehenden,Widerwillen gegen ihn uns zum Verständniß zu bringen.
Wir gewahren nun zu unsrem Erstaunen, daß wir bei unsrem liberalen Kampfe in der Luft schwebten und mit Wolken fochten, während der schöne Boden der ganz realen Wirk- lichkeit einen Aneigner fand, den unsre Luftsprünge zwar sehr wohl unterhielten, der uns aber doch für viel zu albern hält, um hierfür uns durch einiges Ablassen von diesem usurpirten realen Boden zu entschädigen.
Ganz unvermerkt ist der ‚Gläu- biger der Könige‘ zum König der Gläubigen geworden, und wir können nun die Bitte dieses Königs um Emancipi- rung nicht anders als unge- mein naiv finden,da wir viel- mehr uns in die Nothwendigkeit versetzt sehen, um Emancipi- rung von den Juden zu kämpfen.
Der Jude ist nach dem gegen- wärtigen Stande der Dinge die- ser Welt wirklich bereits mehr als emancipirt: er herrscht, und wird so lange herrschen, als das Geld die Macht bleibt, vor welcher all unser Thun und Treiben seine Kraft verliert.
Daß das geschichtliche Elend der Juden und die räuberische Roheit der christlich-germani- schen Gewalthaber den Söhnen Israels diese Macht selbst in die Hände geführt haben, braucht hier nicht erst erörtert zu werden.
Daß aber die Unmöglichkeit, auf Grundlage derjenigen Stu- fe, auf welche jetzt die Ent- wickelung der Künste gelangt ist, ohne gänzliche Verände- rung dieser Grundlage Natür- liches, Nothwendiges und wahrhaft Schönes weiter zu bilden, den Juden auch den öffentlichen Kunstgeschmack unsrer Zeit zwischen die ge- schäftigen Finger gebracht hat, davon haben wir die Gründe hier etwas näher zu betrachten.
Was den Herren der römischen und mittelalterlichen Welt der leibeigene Mensch in Plack und Jammer gezinst hat, das setzt heut’ zu Tage der Jude in Geld um: wer merkt es den unschuldig aussehenden Pa- pierchen an,daß das Blut zahllo- ser Geschlechter an ihnen klebt ?
Was die Heroen der Künste dem kunstfeindlichen Dämon zweier unseliger Jahrtausende mit un- erhörter, Luft und Leben verzeh- render Anstrengung abrangen, setzt heute der Jude in Kunst- waarenwechsel um:wer sieht es den manierlichen Kunststück- chen an,daß sie mit dem heiligen Nothschweiße des Genies zwei er Jahrtausende geleimt sind ? –
Viel zu weit ausholend würden wir auch verfahren müssen, wollten wir aus dem Charakter unsrer Kunstgeschichte selbst diese Erscheinung nachwei- slich zu erklären unternehmen.
Dünkt uns aber das Noth- wendigste die Emancipation von dem Drucke des Juden- thumes,so müssen wir es vor Allem für wichtig erach- ten, unsre Kräfte zu diesem Befreiungskampfe zu prüfen.
Diese Kräfte gewinnen wir aber nun nicht aus einer abst- racten Definition jener Erschei- nung selbst, sondern aus dem genauen Bekanntwerden mit der Natur der uns innewoh- nenden unwillkürlichen Empfin- dung, die sich uns als instinct- mäßiger Widerwille gegen das jüdische Wesen äußert:
an ihr, der unbesieglichen,muß es uns,wenn wir sie ganz un- umwunden eingestehen,deutl- ich werden, was wir an jenem Wesen hassen; was wir dann bestimmt kennen, dem können wir die Spitze bieten; ja schon durch seine nackte Aufdeckung dürfen wir hoffen, den Dämon aus dem Felde zu schlagen, auf dem er sich nur im Schu- tze eines dämmerigen Halb- dunkels zu halten vermag, ei- nes Dunkels,das wir gutmüthig- en Humanisten selbst über ihn warfen, um uns seinen Anblick minder widerwärtig zu machen.